CC BY-SA 4.0 für professionelle Fotos?
Warum ich diese Lizenz nur in Ausnahmefällen vergebe

CC BY-SA 4.0 ist aus meiner Sicht eine gute Lizenz. Sie ist klar, international verständlich und für Projekte mit bewusst offener Weiterverwendung oft sehr sinnvoll. Sie erlaubt grundsätzlich, Bilder zu kopieren, weiterzugeben, zu bearbeiten und auch kommerziell zu nutzen, solange der Urheber genannt wird und Bearbeitungen unter denselben Bedingungen weitergegeben werden. Aber wie sieht es aus mit CC BY-SA 4.0 für professionelle Fotos?
Creative Commons macht zugleich selbst deutlich, dass diese Lizenzen als offene Freigaben gedacht sind und sich grundsätzlich nicht einfach widerrufen lassen. (Creative Commons)

Genau deshalb vergebe ich diese Lizenz nicht leichtfertig.

Denn CC BY-SA 4.0 ist keine kleine Zusatzfreigabe und auch keine etwas großzügigere Standardnutzung. Wer diese Lizenz erhält, bekommt eine sehr weitreichende Nutzungsmöglichkeit. Für echte Open-Content-Projekte kann das genau richtig sein. Für klassische Fotoaufträge ist es das oft nicht.

Warum ich bei offenen Lizenzen genau hinschaue

In der Fotografie geht es selten nur um eine Datei. Es geht um Menschen, Kontexte, Auftraggeber, Veröffentlichungswege und Verantwortung. Deshalb frage ich nicht nur, was das Urheberrecht erlaubt. Ich prüfe auch, ob diese Offenheit inhaltlich und praktisch überhaupt sinnvoll ist.

Bei unkritischen Motiven kann das durchaus passen. Bei vielen klassischen Fotoaufträgen passt es eher nicht.

Der wichtigste Punkt: Fotos mit erkennbaren Personen

Sobald Menschen auf einem Bild erkennbar sind, geht es nicht nur um mein Urheberrecht als Fotograf. Dann geht es auch um die Rechte der abgebildeten Personen. Nach § 22 KUG dürfen Dritte Bildnisse grundsätzlich nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreiten oder öffentlich zur Schau stellen. § 23 KUG enthält zwar Ausnahmen, aber diese Ausnahmen schaffen keinen pauschalen Freifahrtschein für eine offene und weltweit weiterreichende Bildfreigabe. (Gesetze im Internet)

Hinzu kommt: Creative-Commons-Lizenzen regeln vor allem urheberrechtliche Nutzungsrechte. Persönlichkeitsrechte, Privatheit und ähnliche Rechte erfassen sie nicht automatisch. Auch darauf weist Creative Commons selbst ausdrücklich hin. (Creative Commons)

Genau hier liegt für mich die eigentliche Fallhöhe. Eine offene Lizenz wie CC BY-SA 4.0 kann dazu führen, dass Bilder später in anderen Zusammenhängen auftauchen, dass Dritte sie bearbeiten, neu kombinieren oder weltweit weiterverbreiten. Das ist kein Missbrauch der Lizenz, sondern Teil ihres Modells. Bei Personenbildern prüfe ich deshalb besonders sorgfältig.

Warum das auch aus Kundensicht wichtig ist

Für Auftraggeber wirkt eine offene Lizenz zunächst oft attraktiv. Das ist nachvollziehbar: Inhalte lassen sich leichter an Presse, Partner, Plattformen oder Dritte weitergeben, ohne dass jede einzelne Nutzung erneut abgestimmt werden muss.

Gleichzeitig sinkt aber die Kontrolle. Nicht jeder Auftraggeber möchte, dass Bilder später frei bearbeitet, in anderen Kontexten verwendet oder kommerziell von Dritten weitergenutzt werden. Gerade bei Portraits, Unternehmensfotografie, redaktionellen Zusammenhängen, Veranstaltungen oder sensiblen Themen ist das oft nicht die passende Lösung.

Wirtschaftlich ist CC BY-SA 4.0 ein anderes Modell

Eine offene Lizenz ist wirtschaftlich nicht einfach nur „etwas mehr Nutzung“. Sie verändert das Modell grundlegend. In Deutschland kalkuliert die Branche professionelle Fotonutzungen seit vielen Jahren differenziert; die MFM-Bildhonorare des BVPA dienen dabei als etabliertes Orientierungs- und Planungsinstrument. Eine offene CC-Freigabe passt nur begrenzt in diese Logik, weil sie Exklusivität schwächt, die Kontrolle über Drittnutzungen verringert und spätere Nachlizenzierungen deutlich erschwert. (bvpa.org)

Deshalb behandle ich eine offene Lizenz nicht wie eine normale Standardnutzung. Wer CC BY-SA 4.0 wünscht, fragt in der Sache nicht nach einem kleinen Zusatzrecht, sondern nach einer sehr weitgehenden öffentlichen Freigabe.

Wann ich CC BY-SA 4.0 eher für sinnvoll halte

Ich schließe diese Lizenz nicht aus. Aber ich prüfe sie bewusst und nur im Einzelfall.

Eher denkbar ist sie bei Motiven wie:

  • Landschaften
  • Architektur
  • Stadtansichten ohne identifizierbare Personen
  • sachlichen oder dokumentarischen Aufnahmen ohne sensiblen Personenbezug
  • Projekten, bei denen offene Weiterverwendung ausdrücklich Teil des Konzepts ist

In solchen Fällen kann CC BY-SA 4.0 eine sehr gute Lösung sein, gerade wenn Reichweite und freie Nachnutzung ausdrücklich gewünscht sind.

Mein Standpunkt

Ich lehne CC BY-SA 4.0 nicht ab. Aber ich vergebe diese Lizenz nicht routinemäßig.

Ich halte sie dort für sinnvoll, wo echte Offenheit gewollt ist und die rechtlichen, inhaltlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen sauber vorliegen. Für die meisten fotografischen Arbeiten ist sie aus meiner Sicht keine passende Standardlösung.

Deshalb gilt für mich:

CC BY-SA 4.0 ist möglich, aber nur in Ausnahmefällen. Nicht aus Prinzip dagegen, sondern aus Sorgfalt, Verantwortung und weil eine gute Lizenz immer zur tatsächlichen Nutzung passen muss.

Hinweis

Dieser Text beschreibt meine praktische Einschätzung und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung im Einzelfall.
Creative Commons weist selbst darauf hin, dass die Lizenzen keine Rechtsberatung ersetzen
und dass Nutzer die Voraussetzungen vor dem Einsatz sorgfältig prüfen sollten. (Creative Commons)

Weiterführende Hinweise

Rechtlicher Hintergrund und offizielle Quellen:

 

Kamera neben Karte mit der Aufschrift „CC BY-SA 4.0?“ zum Thema Creative-Commons-Lizenz in der Fotografie Symbolbild


CC0 1.0 Public Domain

Lizenzhinweis zum Symbolbild: Dieses KI-generierte Symbolbild stelle ich – soweit daran überhaupt eigene Rechte bestehen oder mir zustehen – unter CC0 1.0.
Es darf daher ohne Namensnennung weiterverwendet, bearbeitet und geteilt werden.

Mit anderen Worten: Gerade dieses Bild darf besonders frei zirkulieren – nicht trotz, sondern eher wegen seines demonstrativ bescheidenen schöpferischen Ehrgeizes.